Landgericht Saarbrücken: Küssen während der Autofahrt führt zur alleinigen Haftung des Fahrers bei einem Unfall

Wer sich während einer Autofahrt ablenkt und dadurch grob schuldhaft handelt, der kann als alleiniger Unfallverursacher haftbar gemacht werden. Ein eventuelles Mitverschulden des anderen Unfallbeteiligten werde durch das grob schuldhafte Verhalten des Unfallverursachers vollständig verdrängt. So entschied das Landgericht Saarbrücken in seinem Urteil vom 15.02.2012 (Az.: 5 O 17/11). Dem lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der beklagte Pkw-Fahrer hatte seine Aufmerksamkeit mehr seiner Beifahrerin gewidmet als dem Straßenverkehr. Zuerst hatte er das Umspringen des Ampelsignals von rot auf grün nicht bemerkt, da er während dessen seine Beifahrerin geküsst hatte. Erst das Hupen eines anderen Fahrzeugs beendete die Zärtlichkeiten. Anschließend versuchte der Beklagte auch während der Fahrt seine Beifahrerin zu küssen und kam auf die Gegenfahrbahn, so dass es zu einem Beinah-Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug kam, der nur durch das Ausweichen des anderen Fahrzeugs verhindert wurde. Daraufhin setzte der Beklagte sein grob fahrlässiges Verhalten fort und küsste seine Beifahrerin bei einer Geschwindigkeit von 60 bis 70 km/h. Dabei kam er erneut auf die Gegenfahrbahn und es kam zum Zusammenstoß mit einem entgegenkommenden Fahrzeug, dessen Fahrerin, die Mutter des klagenden neugeborenen Kindes, an den Folgen des Zusammenstoßes starb. Der Vater und das Kind forderten von der Haftpflichtversicherung des Fahrers die Zahlung eines monatlichen Haushaltsführungsschadens in Höhe von 1.200,00 €, der ihnen durch das Fehlen der Mutter entstehe. Auch nach der Feststellung der Gutachter, dass die Kindesmutter nicht angeschnallt war, verurteilte das Landgericht den Beklagten in vollem Umfang zum Schadensersatz. Grundsätzlich sei zwar demjenigen, der nicht angeschnallt sei, ein Mitverschulden zuzurechnen. Das Mitverschulden trete jedoch hinter dem groben Verschulden des Unfallverursachers zurück, was in dem entschiedenen Rechtsstreit der Fall war.