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Darf ich während der Arbeitszeit zum Arzt?

Grundsätzlich ist ein Arbeitnehmer verpflichtet, seine Arzttermine außerhalb der Arbeitszeit zu legen. Praktisch hat der Berufstätige, der zum Arzt muss damit gleich zwei Probleme: zeitnah einen Arzttermin zu bekommen (sehr schwierig) und diesen außerhalb der Arbeitszeit zu vereinbaren (nicht immer möglich). Dies gelingt Vollzeitbeschäftigen nur selten und nicht jede Behandlung ist in der Notaufnahme abends oder am Wochenende zu bekommen.

Zur Orientierung sind daher drei Fallgruppen zu unterscheiden und rechtlich zu würdigen:

1) es liegt eine akuten Erkrankung mit ärztlich attestierter Arbeitsunfähigkeit vor:

In einem solchen Fall (z.B. Grippe, Zahnentzündung, Unfall) sind Arztbesuche während der Arbeitszeit möglich und notwendig. Der Arbeitsausfall geht zu Lasten des Arbeitgebers und der Lohn wird fort gezahlt.

2) es liegt ein akuter Erkrankungsfall vor, der zeitnahe ärztliche Behandlung bedarf:

In einem solchen Fall (z.B. Verletzung, herausgefallenen Zahnplombe, Komplikationen nach Behandlungen, Schmerzen) ist der Arbeitnehmer im notwendigen Umfang von der Arbeitspflicht frei zustellen. In der Regel greift hier der Freistellungsanspruch aus § 616 Satz 1 BGB wonach auch der Lohnanspruch bestehen bleibt. Detailliertere Regelungen finden sich  in vielen Tarifverträgen.

3) es ergibt sich ein nicht anders planbarer Arztbesuch:

Der wohl häufigste Fall in der Praxis ist der, dass man einen Arzt aufsuchen muss, aber außerhalb der eigenen Arbeitszeit keinen Termin bekommt. Hier muss wieder differenziert werden. Handelt es sich um notwendige Untersuchungen, die der Arzt nur zu bestimmten Zeiten durchführt, ist der Arbeitnehmer bei Lohnfortzahlung frei zustellen. Eine Einschränkung der freien Arztwahl des Arbeitnehmers durch den Arbeitgeber findet nicht statt.

Handelt es sich um Vorsorgeuntersuchungen, die an sich planbar sind, wegen der Terminvergabepraxis des Arztes aber in die Arbeitszeit fallen, so muss der Arbeitnehmer einen Termin außerhalb der Arbeitszeit finden, sich für einen Termin beurlauben lassen oder mit dem Arbeitgeber eine Einigung darüber erzielen, dass die Fehlzeit nach gearbeitet oder mit Überstunden verrechnet wird.

In jeder Fallgruppe ist es ratsam, zeitnah den Arbeitgeber über den Arbeitsausfall zu informieren.