Was kostet eine Scheidung?

Auf die Frage:“ Was kostet eine Scheidung?“ wird der gefragte Rechtsanwalt die berühmte Antwort gegeben:“ Es kommt darauf an!“.

Was eine Scheidung kostet, hängt von vielen Faktoren ab.

Die Belastung des Vermögens und ist von dem Güterstand abhängig. Der bestimmt die danach anzuwendenden Regeln der Vermögensaufteilung. Die Belastung des laufenden Einkommens hängt von der Frage ab, wem und in welcher Höhe Unterhalt zu leisten ist. Für Kinder kann dies nach der Düsseldorfer Tabelle recht gut im Vorhinein mit einem Näherungswert bestimmt werden.

Ehevertrag

Glücklich kann sich in der Regel schätzen, wer einen Ehevertrag abgeschlossen hat. In dem ist idealerweise genau geregelt, was für den Fall der Scheidung an finanziellen Belastungen oder Vergünstigungen auf den jeweiligen Ehepartner zukommt.

Einvernehmlich

Grundsätzlich gilt, je einiger sich die „Noch-Eheleute“ sind, desto günstiger wird das Scheidungsverfahren. Auch noch zum Ende einer Ehe kann durch eine sogenannte Scheidungsfolgenvereinbarung ein Ehevertrag auf das Ende der Ehe hin geschlossen werden. Mit einer solchen Scheidungsfolgenvereinbarung kann vermögensrechtlich vieles sinnvoll und gütlich geregelt werden.

Da all diese angesprochenen Punkte sehr individuell sind, kann hier auch nicht pauschal ein Wert für die den jeweiligen Ehepartner betreffenden Kosten angegeben werden. Auch Richtwerte machen wenig Sinn, weil eine Verallgemeinerung auf die individuelle Situation eher ein Zufallstreffer als die Regel wäre.

Kosten des Scheidungsverfahrens

Eine andere Frage ist, was kostet das gerichtliche Verfahren und was kosten Anwälte im Scheidungsverfahren.

Die gerichtlichen Gebühren bestimmen sich nach dem Gerichtskostengesetz und gehen von einem Verfahrenswert aus. Danach berechnen sich die gerichtlichen Gebühren. Vom Verfahrenswert abhängig sind auch die Rechtsanwaltsgebühren.

Für die Scheidung wird zumindest ein Anwalt zwingend benötigt.

Wenn man sich also einig ist und sich gegenseitig vertraut, kann das Scheidungsverfahren auch nur mit einem Anwalt durchgeführt werden. Dieser wird dann von einer Partei beauftragt. Intern kann man regeln, dass der nicht vertretene Ehepartner anteilig die Kosten für den Anwalt zu tragen hat.

Um gleich hier mit einem weit verbreiteten Irrtum aufzuräumen: „Es handelt sich dann nicht um einen gemeinsamen Anwalt, sondern der Anwalt ist stets nur der Interessenvertreter des ihn beauftragenden Ehegatten.“

Die sich so aufsummierenden Kosten für das Verfahren und die Rechtsanwaltskosten sind im Wesentlichen vom Verfahrenswert, der sich anhand der Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Ehegatten bestimmt, abhängig.

Neben den benannten Faktoren wird der Verfahrenswert gemäß § 43 FamGKG ggf. nicht ausschließlich nach den Einkommens- und Vermögensverhältnissen bemessen. Auch die Umstände des Einzelfalls, insbesondere der Umfang und die Bedeutung der Sache, sind nach Ermessen des Gerichts, für die Höhe des Verfahrenswerts relevant.

Es gibt so genannte „Scheidungskostenrechner“ im Internet. Mit der Eingabe weniger Daten erhält man eine überschlägige Berechnung der Kosten. Hieran wird auch schnell der Unterschied, zumindest rein kostenmäßig, zwischen einer einvernehmlichen und einer streitigen Scheidung deutlich.

Für Normalverdiener – ohne erhebliches Vermögen – werden die reinen Kosten des Scheidungsverfahrens, abhängig von der Frage ob einvernehmlich oder nicht, in der Größenordnung von 2.500 – 6.000 € liegen, um einen ungefähren Bezugspunkt zu geben.

Ein weiterer Wermutstropfen: Scheidungskosten sind nicht von der Steuer absetzbar.

Die reinen Verfahrenskosten sind aber, wie oben bereits angedeutet, mitunter nur ein Bestandteil der Beantwortung der Frage, was kostet eine Scheidung.

Was eine erste Beratung zu diesem Thema kostet, die Ihnen eine fundierte Einschätzung Ihrer Situation und der auf Sie zukommenden Kosten ermöglicht, beantworten wir Ihnen gerne ganz genau: 250 € zuzüglich Mehrwertsteuer.

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Übersicht und kleines Glossar zum Familienrecht

Versorgungsausgleich

Wenn eine Ehe geschieden wird, ist der Versorgungsausgleich durchzuführen.
Dabei sind die in der Ehezeit erworbenen Rentenanwartschaften auszugleichen.
Das Familiengericht ermittelt die jeweiligen Versorgungsansprüche der Eheleute, die diese in der Ehezeit erworben haben.
Nach Eingang der Auskünfte sämtlicher Versorgungsträger bei dem Familiengericht entscheidet dieses über den Versorgungsausgleich durch Urteil oder Beschluss.
Dadurch erfolgt die Übertragung von Rentenanwartschaften vom Rentenkonto des Ehegatten, der in der Ehezeit die werthöhere Anwartschaft erworben hat auf das Rentenkonto des anderen Ehegatten, und zwar in Höhe der hälftigen Differenz.

Der Versorgungsausgleich wird durchgeführt ohne Rücksicht darauf, in welchem Güterstand die Eheleute leben.
Die Eheleute können aber durch Ehevertrag den Versorgungsausgleich ausschließen, wobei der Ausschluss unwirksam ist, wenn innerhalb eines Jahres nach Vertragsabschluss ein Scheidungsantrag gestellt wird.
Desweiteren kann der Versorgungsausgleich durch einen Vergleich vor dem Scheidungsgericht ausgeschlossen werden, wobei dieser Ausschluss vom Gericht genehmigt werden muss.

Hausrat

Zum Hausrat gehören Gegenstände, die im Haushalt der Eheleute genutzt werden. Auf das Eigentum kommt es dabei nicht an. Deshalb können sowohl Gegenstände, die beiden Ehegatten gehören, als auch Gegenstände, die nur einem Ehegatten gehören, zum Hausrat zählen.
Nicht zum Hausrat gehören Luxusgegenstände, die nicht der Lebensführung dienen, sondern nur der Vermögensanlage sowie persönliche Sachen eines Ehegatten, die nur zu seinem alleinigen Gebrauch bestimmt sind oder Gegenstände, die der Berufsausübung dienen,

Spätestens mit der Scheidung kann jeder Ehegatte die ihm allein gehörenden Gegenstände vom anderen Ehegatten herausverlangen.
Alleineigentum besteht an solchen Sachen, die ein Ehegatte in die Ehe eingebracht oder während der Ehezeit alleine erworben hat. Allerdings gelten die während der Ehezeit erworbenen Gegenstände in der Regel als von beiden Ehegatten gemeinsam erworben.

Gemeinsamer Hausrat ist nach billigem Ermessen nach den Umständen des Einzelfalls gerecht und zweckmäßig zu verteilen, § 8 Abs. 1 Hausratsverordnung. Danach sind die gemeinsamen Hausratsgegenstände wertmäßig zwischen den beiden Ehegatten hälftig zu teilen.

Zugewinnausgleich

In den häufigsten Fällen schließen die Ehepaare keinen notariellen Ehevertrag mit Regelungen zum Güterstand. In diesen Fällen gilt grundsätzlich der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Nach der Heirat wird hier – nicht wie so oft geglaubt – das jeweilige Vermögen der Ehegatten nicht automatisch gemeinschaftliches Vermögen, sondern beide Vermögensmassen bleiben weiterhin getrennt.

Nach dem Scheitern der Ehe wird allerdings der Zugewinn, den die Eheleute während der Ehe erzielten, ausgeglichen. Danach schuldet derjenige Ehegatte, dessen Zugewinn den Zugewinn des anderen übersteigt, die Hälfte des Überschusses als Ausgleichsbetrag.

Der Zugewinn ist der Betrag, um den das Endvermögen das Anfangsvermögen übersteigt.

Das Anfangsvermögen ist das Vermögen des Ehegatten abzüglich seiner Verbindlichkeiten beim Eintritt in den Güterstand (in der Regel Tag der Eheschließung), wobei es stets mindestens 0,00 € beträgt.
Dem Anfangsvermögen werden Vermögenswerte hinzugerechnet, die der Ehegatte von Todes wegen, im Wege der vorweggenommenen Erbfolge oder durch Schenkung erworben hat (privilegierter Erwerb).
Das Endvermögen ist das Vermögen, über das jeder Ehegatte bei Beendigung des Güterstandes (in der Regel Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags) verfügt.
Auch bei der Ermittlung des Endvermögens werden die Verbindlichkeit abgezogen, aber das Endvermögen ist ebenfalls immer größer oder gleich 0,00 €.
Hinzugerechnet werden aber fiktiv alle Vermögensminderungen, die der betreffende Ehegatte ohne die Einwilligung des anderen Ehegatten in den letzten 10 Jahren durch Schenkung, Vermögensverschwendung oder absichtliche Verminderung vorgenommen hat.

Beispiel:

Ehemann Ehefrau
Anfangsvermögen 10.000,00 € 30.000,00 €
Endvermögen 40.000,00 € 70.000,00 €
Zugewinn 30.000,00 € 40.000,00 €

Anspruch auf Zugewinnausgleich: (40.000,00 € – 30.000,00 €) : 2 = 5.000,00 € zugunsten des Ehemanns

Bei der Berechnung des Zugewinnausgleichs werden Hausratsgegenstände nicht berücksichtigt, da diese nach den Vorschriften der Hausratsverordnung (HausratsVO) verteilt werden.

Unterhalt

Es wird zwischen dem Kindes- und dem Ehegattenunterhalt unterschieden.

1. Kindesunterhalt
Beim Kindesunterhalt differenziert man wiederum zwischen dem Unterhalt minderjähriger und volljähriger Kinder.

a. Unterhalt minderjähriger Kinder

Gegenüber minderjährigen Kindern sind beide Eltern unterhaltspflichtig.
Derjenige Elternteil, bei dem das Kind lebt, leistet durch Betreuung und Versorgung den sogenannten Naturalunterhalt. Der andere leistet durch monatliche Geldzahlungen den Barunterhalt.
Gegenüber minderjährigen unverheirateten Kindern besteht eine gesteigerte Unterhaltsverpflichtung. Das führt dazu, dass der Unterhaltspflichtige alle verfügbaren Mittel einzusetzen hat, um zumindest den Mindestunterhalt des Kindes sicherzustellen. D.h. dass bei geringeren Einkünften der Unterhaltspflichtige gehalten sein kann, eine Nebentätigkeit auszunehmen, um den Mindestbedarf des Kindes zu decken.
Die Privilegierung von minderjährigen Kindern zeigt sich auch darin, dass dem Unterhaltspflichtigen lediglich ein notwendiger Selbstbehalt zugestanden wird, d.h. ein Betrag, der ihm nach Zahlung des Unterhalts mindestens monatlich verbleiben muss.
Zur Ermittlung der Höhe des Kindesunterhalts wurden von den Oberlandesgerichten Tabellen entwickelt. In der hiesigen Region kommt die Düsseldorfer Tabelle zur Anwendung.

b. Unterhalt volljähriger Kinder

Wenn das Kind volljährig wird, entfällt die Aufteilung in Bar- und Naturalunterhalt. Von da an sind beide Elternteile anteilig zum Barunterhalt verpflichtet, wobei sich die Haftungsanteile nach dem Verhältnis ihres jeweiligen Einkommens richten.

Es wird zudem unterschieden zwischen Kindern, die sich noch in der allgemeinen Schulausbildung befinden, das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und noch zu Hause wohnen und Kindern, die eine dieser Voraussetzungen nicht erfüllen.

Die volljährigen Kinder, die die erwähnten Voraussetzungen alle erfüllen, werden den minderjährigen Kindern unterhaltsrechtlich gleichgestellt.

Gegenüber den anderen volljährigen Kindern sind die Anforderungen an den Unterhaltspflichtigen zum Erzielen von maximalen Einkünften nicht so streng. Darüber hinaus gilt hier der angemessene Selbstbehalt, der zur Zeit bei 1.100,00 € liegt.

Die Düsseldorfer Tabelle

http://www.olg-duesseldorf.nrw.de/infos/Duesseldorfer_tabelle/index.php

2. Ehegattenunterhalt

Es wird unterschieden zwischen dem Trennungsunterhalt und dem nachehelichen Unterhalt.
Der Trennungsunterhalt wird vom Grundsatz der ehelichen Solidargemeinschaft bestimmt.
Nach der Scheidung geht der Gesetzgeber davon aus, dass jeder Ehegatte für seinen Unterhalt grundsätzlich selbst aufzukommen hat. Nur wenn ein Ehegatte zur Ausübung einer angemessenen Erwerbstätigkeit außerstande ist, hat er unter den im BGB genannten Voraussetzungen einen Unterhaltsanspruch.

 

 

Bei rechtlichen und praktischen Fragen berät Sie Frau Rechtsanwältin Beate Wypchol in folgenden Bereichen des Ehe- und Familienrecht in Gießen (in alphabetischer Ordnung):

  • Abänderungsklage gegen Unterhaltsfestsetzung
  • Anerkennung der Vaterschaft
  • Anfechtung der Vaterschaft
  • Aufhebung einer eingetragenen Lebenspartnerschaft
  • Ehegattenunterhalt
  • Eheliches Güterrecht
  • Eherecht
  • Ehevertrag
  • Ehescheidung
  • Eingetragene Lebenspartnerschaft
  • Elternunterhalt
  • Familienheimschaukel
  • Gerichtliche Feststellung der Vaterschaft
  • Gütergemeinschaft
  • Gütertrennung
  • Jugendamtsurkunde
  • Kindesunterhalt
  • Nachehelicher Unterhalt
  • Scheidung
  • Scheidungsfolgenvereinbarung
  • Trennungsunterhalt
  • Unterhalt
  • Unterhaltsrecht
  • Unterhaltstitel
  • Vaterschaftsvermutung
  • Vermögensauseinandersetzung
  • Versorgungsausgleich
  • Zugewinnausgleich
  • Zugewinngemeinschaft
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